Möglich, dass ich jetzt diejenigen langweile, denen zum Beispiel ein perfekter Doppelpass wichtiger ist als ein falscher Doppelpunkt. Ich bin nicht sauer, wenn der Fußballfan (m/w/d) an dieser Stelle gleich wieder aussteigt. Ich verstehe ja auch nix vom Fußball, obwohl ich ihn mag.
Nun, ja, zum Wesentlichen jetzt:
| „… ich habe mir bewusst Zeit genommen.“ | „Wir haben gezielt entschieden.“ | „Verbraucher treffen die echte Wahl zwischen …“ | „Zu Menschenrechten hat unser Unternehmen eine klare Haltung“ |
Wenn ich das lese, rollen sich mir die Fußnägel auf – echt, bewusst, mit klarer Haltung, gezielt nach innen.
Seit wann, bitteschön, kann man sich unbewusst Zeit nehmen, also aktiv nehmen, aber unbewusst? Nicht versehentlich verplempert? Ich habe mir bewusst Zeit genommen, ein Buch zu lesen. Ich habe mir unbewusst Zeit genommen, genau dasselbe Buch zu lesen. Nein. Ich habe einfach das Buch zur Hand genommen und darin gelesen.
Und wenn ich mich gezielt entscheiden kann, dann kann ich mich auch ungezielt entscheiden? Wie stelle ich mir das vor: Einfach nicht nachdenken? Schlaftrunken aufwachen, zack: entscheiden, und das Management ist umgebaut, die Immobilie ge-/verkauft oder der Urlaub ist storniert? Wobei, Nachtrag an dieser Stelle: Ein nicht unrelevanter Leader der größten Weltmacht, die die Weltmächte je erlebt haben, ist vermutlich der einzige aller allergrößten Leader, der ungezielt entscheidet und danach den Sieg verkündet. Das aber ist ein ganz anderes Thema. Dagegen ist KI völlig orientierungslos.
Weiter im Meckern: Die echte Wahl – bezieht sich das auf die unechte Teilortswahl im baden-württembergische Kommunalwahlrecht? Sicher nicht! Bis dahin hat sich die lernende KI noch nicht vorgetraut. Die „echte“ Wahl bezieht sich auf nix, weil, wenn ich ich wählen kann, ist die Wahl echt, wenn auch manchmal falsch. Wenn ich nicht wählen kann, ist es keine Wahl, also auch keine unechte Wahl. Wie zum Beispiel, wenn nur Leitungswasser auf der Getränkekarte steht.
Unklare Haltungen gibt es viele. Damit hausiert aber niemand. Ein Mann mit einer Affäre würde seine definitiv unklare Haltung nicht fröhlich laut vor sich hinsingen „la la la ich pflege eine unklare Haltung gegenüber meinen Frauen….“ Also, frage ich: Weshalb muss ein Unternehmen eine klare Haltung haben? Welches Unternehmen würde seinen Stakeholdern in Bezug auf Menschenrechte sagen „Wir nehmen hier eine eher unklare Haltung ein.“? Eben. Es sagt: „Wir zeigen Haltung.“
Die Phrasenhaftigkeit entlarvt die mit Large Language Models generierten Texte. Sofern kein „human in the loop“ ist, landet dieses generische, trockene Stroh-Deutsch auf LinkedIn, in Präsentationen, in Blogbeiträgen und überall im Internet. Grauslig.



Die LLMs glänzen noch durch andere Schwächen, die mich total nerven. Ein Sack voll Bindestriche, wo Kommata oder Punkte hingehören. Fast ebenso viel Doppelpunkte, wo andere Interpunktion sinnvoller ist. Und dieses oberüberflüssige Satzgebilde „nicht nur, aber auch“. „Wir leben nicht nur in Schramberg, weil wir es hier schön finden, sondern auch, weil wir hier gerne zu Hause sind.“ Aaah, ich muss sofort zur Schwarzwaldaugenklinik rüberrennen, Antiaugendepressionstropfen verschreiben lassen. Ich kann es nicht mehr lesen-ertragen.
Da kann ich meiner (bezahlten) KI noch so oft in unschönen Worten sagen, sie soll den Mist künftig lassen. „Ja, verstanden, Du hast völlig Recht“, antwortet sie zustimmend. Wenn ich aber frage, ob sie diesen Mist wirklich lassen kann, in meinen Projekten, ein für allemal, dann sagt sie wahrheitsgetreu, dass sie sich meine Abneigungen nicht für lange merken kann.
Ich habe inzwischen einen Reflex entwickelt: Wenn ich in einem geschäftlich gemeinten Beitrag, auf LinkedIn beispielsweise, die Satz-Akne der KI erkenne, nehme ich den gesamten Beitrag spontan nicht mehr ernst. Nicht mehr zur Kenntnis, zackweg, irrelevant. Wer sich nicht die Mühe macht, uns seine Botschaft sauber und selbstgedacht, i.e. selbstkorrigiert zu übermitteln, der/die/das verdient nicht meine Mühe, das zu lesen.
Call me Korinthenkackerin. Love it.

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