
„Der Zustand, in dem man den Mist anderer Leute schlicht nicht mehr ertragen kann.“
Vor kurzem stolperte ich über diesen bezaubernden Instagram Post von @thealphawomenclub. Echt jetzt, „bezaubernd“ – dieses derbe Wort? Ja, weil es so unaufgeregt treffend ist. In der semantischen Unterwelt des vulgären Wortes „f*ck“ wird es viel häufiger als Ausdruck von Ärger, Erstaunen, Wut oder Ablehnung (I don’t give a fuck) verwendet wird als zur Beschreibung der Tätigkeit beim Beischlaf.
Nein. Naja. Na gut.
Vermutlich hat jede/r von uns so eine Person (mindestens) oder Situation, der gegenüber wir fucktose intolerant geworden sind. Wir haben so genug vom endlosen Drama eines befreundeten Ehepaares. Wir können die selbstverliebten Erfolgsstories unseres neuen Nachbarn nicht mehr hören. Wir wollen nicht mehr zu Pärchen-Abenden gehen, bei denen die Frauen über in Buttermilch eingelegte Lammkeule philosophieren. Wir wollen kein Lob mehr hören à la „Für Dein Alter …“ (wahlweise: siehst Du noch gut aus, bist Du ganz fit, hast Du Dich ordentlich gehalten…). Wir wollen montags im Büro bittebitte nicht mehr mit Neuigkeiten über die Enkel der Kollegin vom Arbeiten abgehalten werden. („Ja, die sind toller als alle anderen Enkel. Ja, klar, sie sprechen früher, gehen schneller, kapieren alles, wirklich, und so süß.“) Bloß, weil man Steuerberaterin, Arzt oder Rechtsanwältin ist, heißt es nicht, dass man am Samstagnachmittag von Bekannten angerufen werden darf, ob man „gschwind“ schauen könne: Auf das Chaos der Belege, auf den schmerzenden Zeh oder in die Erbschaftsangelegenheit. Und nur weil ich mit dem Auftraggeber für eine Übersetzungsleistung gut bekannt bin, muss ich nicht zwangsläufig einen „Freundschaftspreis“ machen. Ach, die fucktose-Liste ist lang.
Unsere Zeit, Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Distanz möchten wir selbst bestimmen.
Aber wie positioniert man sich? Wie macht man höflich und ohne Verletzung klar, was Phase ist? Notlügen machen sozial verdächtig: Man kann nicht immer keine Zeit haben. Und das schwäbisch-behäbige „schwätze lasse“ hilft vorübergehend, und dann ärgert man sich doch. Mein lieber Freund Frank sagt immer „Klare Kommunikation ist das einzige, das hilft“. Denn andere schauen nicht in unseren Kopf. Vielleicht liegen wir falsch in der Annahme, dass die Expertinnenrunde das Lammkeulen-Rezept in Dauerschleife bespricht, obwohl man selbst nicht kochen kann; alternativ: Obwohl man es furchtbar findet, Teile von Tierkleinkindern einzulegen. Nicht alles ist Absicht, nicht alles geschieht uns zuleide, und dennoch NERVT VIELES. Wir käuen es wider. Lästern darüber. Bauschen es auf. Suchen Trost. Und sind am Ende gar selbst ein fucktose factor für andere. Oh nein!
Klappt. Klappt nicht. Klappt. Klappt.
Ja ja, klare Kommunikation: „Dein XY Thema ist mir im Moment wirklich wurscht.“ – so ist es nicht gemeint.

Vielmehr respektvoll, freundlich und persönlich. Es hilft nichts, das muss man lernen, und mit der Zeit geht es immer besser von der Hand – ähm, von der Zunge. Das ist jedenfalls meine positive Erfahrung. Na gut, manche sagen auch, ich hätte Haare auf den Zähnen.
WAS? I don’t give a …. – nein. Ich arbeite an mir. Versprochen.
Fotos: Unsplash (Nik, Ed Robertson); thealphawomenclub;

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