Ich habe sie so satt, so satt. Diese kalten, alten Männer!

Manchmal träume ich. Davon, wie normal die vergangenen fünf Jahre hätten sein können. So normal, langweilig und vorhersehbar wie die Jahre davor. Als wir keine anderen Sorgen hatten, als uns beispielsweise über „tschendern“ aufzuregen, welches die einen als völlig abstruse Selbstaufgabe und Staatszwang empfanden, und die anderen als maximalen Erziehungsauftrag für unbelehrbare Dumpfbacken. Egal ob Migration, Klima, oder Wohnen, wir hatten viel zu streiten, aber nichts davon hat unser Land an den Rand gebracht.  Damals.

Nichts ist normal seit 2020

Erst kam COVID, hat uns gespalten und wirtschaftlich enorm gefordert. Meiner kleinen Firma ging es täglich an den Kragen. Ich war der Frosch in der Milchkanne, der gezappelt hat und gerade so nicht absoff. Völlig erschöpft freute ich mich, als 2022 der Spuk vorbei war. Endlich! Endlich wieder Gas geben! Pläne machen, mit Kunden Projekte entwerfen, reisen, fahren, Freunde treffen. Falsch gedacht.

Ganz anders Putin. Ganz anders Trump.

Erst greift Putin die Ukraine an, führt einen schrecklichen Krieg und sorgt für Energiekrisen, Schockwellen, Lieferengpässe. Beschaffungs- und Absatz-Märkte zerbrechen. Trump, die fleischgewordene Beleidigung von Verstand und decency, tänzelt um Putin herum, lässt die US-Waffenindustrie am Ukraine-Krieg bestens verdienen, macht Alliierte lächerlich, bedroht Grönland, erhebt willkürlich Zölle, bringt die Welt in Schieflage, beißt sich an China die Zähne aus, schwadroniert von Gaza als Riviera des Nahen Ostens, macht sich die Taschen voll und fängt, während er noch mit Iran verhandeln lässt, einen Krieg an, der ihm und seinem sauberen Beraterstab offenbar von Stunde Null an entgleitet. So sieht es halt für mich aus, oder wie erklärt man sich das:

Als eines der ersten Ziele versehentlich eine Mädchenschule zusammenzubomben und die Schuld anderen in die Schuhe schieben zu wollen, das muss man als überlegene Militärmacht erstmal hinbekommen. Die Welt braucht keine religiös-totalitären Regime, aber dass die Iranerinnen und Iraner jetzt begeistert zur Demokratie überlaufen?

Und – man weiß es nicht – war es wurscht oder zu schwer zum Fertigdenken, dass die Verknappung des Öls auch im Land of the Free den Sprit verteuern wird? Dass der Ölpreis auf dem globalen Mark gebildet wird, also an den Börsen, an denen auch die amerikanischen Raffinerien ihr Öl einkaufen? Die USA haben genug Öl, ja, aber das schützt sie nicht vor Preissteigerungen. Oh, f*ck? Dann hebt Mr. President schnell das Embargo gegen Putin auf und verschafft dem Kreml neue Kraft genau dort, wo wir Europäer mit viel Geld dagegenhalten: Im Ukraine-Krieg

All das vorausgeschickt, poltert der selbsterklärte Sieger nun und droht: Diejenigen, die ihm nicht in der Straße von Hormus militärisch helfen, die werden schon sehen … geschenkt ist das, his Orangeness! Wir wollen nicht. Not our war.

Leaving the Doppel(zwick)mühle is always an option.

(Bild: Ingrid Wild)

Und was, wenn alle wie befohlen herangerückt wären in die Straße von Hormus? Zöge sich der Oberbefehlshaber raus (TACO), hinterließe den anderen das Kriegschaos und erklärt sich erneut zum Sieger? Immerhin, er ist der Chef des Board of Peace, der den Frieden im Gaza-Streifen sichern soll. Hat gut geklappt. Mitglieder, die sich in diesen illustren Kreis teuer eingekauft haben – Saudi-Arabien zum Beispiel, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain oder Jordanien – werden sich die Augen reiben. Deren US-Militärbasen oder Treibstofflager werden nun als Gegenschläge vom Iran angegriffen. Thank you, Sir, mit dem wertlosen Friedensnobelpreiszettel und dem FIFA-Plember. 

Mit jedem Tag, seit dem Angriff Putins auf die Ukraine und nun mit Trumps Angriff auf den Iran, fliegen uns die fremdeingebrockten Brocken um die Ohren, die Prügel zwischen die Beine. Lieferketten kaputt, Preise hoch, und was immer wir unternehmerisch tun, wird über kurz oder lang konterkariert, als direkte Folge des Fehlens von irgendeinem Teil oder Rohstoff, als Preissteigerung oder als Absatzproblem, weil beispielsweise Trumps Zölle Waren zu stark verteuert haben. 

Sicherheit, Zukunft, ein ordentliches Auskommen, Gesundheit und das Beste für unsere Kinder. Eine robuste Wirtschaft. Einen funktionierenden Staat. Dafür arbeiten wir, dafür zahlen wir Steuern. Für ein gutes, bürgerschaftliches Gemeinwesen, für Infrastruktur, Schulen, Polizei, Naturschutz. Für gute Ziele. Ich will nicht, dass wir mit unseren Steuern Unsummen für Rüstung ausgeben müssen, weil im Osten und im Westen Unzurechnungsfähige dafür sorgen, dass man immer Waffen brauchen wird.

Ich stelle mir vor, COVID, aber vor allem Putins Krieg und Trumps Krieg hätte es nie gegeben. Stellen wir uns vor, die Länder der Welt wären gut miteinander im Handel. Wo würden wir jetzt stehen mit unserer Wirtschaft in Deutschland?! Ja, wir würden schimpfen, wie immer. Über das Aus vom Verbrenner-Aus. Über die Bürokratie, die Digitalisierung, Rente, Arbeit, Energiewende. Wir wären nicht in Pippi-Langstrumpf-Länd, aber fast.

Meine Aufregerei bewirkt natürlich nichts, außer mich noch bockiger werden zu lassen. ChatGPT habe ich schon abbestellt. Mein Einkaufsverhalten habe ich geändert. Ich werde allen jungen Talenten, die ich kenne, davon abraten, hochbezahlte Jobs in den Staaten anzunehmen und stattdessen lieber in Europa zu bleiben. Ich werde immer für Demokatie und unsere Werte werben. Und: Dinge werden sich ändern, wie sie es immer tun. Am Ende kommt ja doch die Bioklippe.

Fotos: Elisabeth, Jo.M.Ricchardi

PS: Ja, ich habe nicht alles Leid der Welt hier aufgezählt, nicht alle Konflikte, die ineinander verwoben sind, historisch begründet und kaum mehr in ihren Ursprüngen entzifferbar. Stoff für ganze Bücher, aber das kann ich nicht.

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