Das war der einfache Satz zu einem Social Media Posting, als im August 2026 bei uns in Schramberg der Wald gebrannt hat. Eine Frau kommentierte mit viel Häme „Ach es ist anders wenn es vor der eigenen Tür passiert, genau.“ Sie schrieb noch einigen weiteren Mist dazu, also ricebag fallen over in China.
Aber in der Tat, keine Empathie der Welt reicht aus, um dasselbe zu fühlen, wie beispielsweise die Menschen im Bordeaux, denen alles abfackelt. Ich sehe das im Fernseher, finde es ganz fürchterlich und überlege, ob ich doch kurz zum Rino rüberspringe für ein leckeres Eis. Einige Minuten später blinzle ich vom Sofa Richtung Wohnzimmernfenster, weil die Feuerwehr ausrückt und das Heulen der Sirenen nicht leiser wird (da sie ja sonst immer irgendwohin fahren), sondern mehr und immer mehr. Also hieve ich mich hoch, es ist saumäßig heiß an diesem Sonntagnachmittag, ich schau richtig zum Fenster raus in Richtung Lauterbachtal, und mich trifft der Schlag. Dicker Rauch zieht unterhalb vom Aussichtshäusle her. Ich erschrecke total: Der Schlossberg brennt!
Da ist nix mit Empathie, das ist Herzklopfen bis in den Hals
Nach einigen Minuten erkenne ich, dass es auf der gegenüberliegenden Talseite brennt – oder auch brennt? Was, wenn das in Richtung Häuser zieht? Am Schlossberg bin ich oft unterwegs, es knirscht und raschelt nur unter den Füßen, alles ist staubtrocken. Immer mehr Feuerwehren sind zu hören. Ich frage mich, wie die Feuerwehr löschen kann? An den Hängen dort sind keine gut ausgebauten Ziehwege, der Bereich ist sehr steil, felsig und vielerorts unzugänglich.
Es wird mir klar, dass es die Talseite gegenüber der Geißhalde ist, die brennt, bis hoch zum Waldrand. Ich sehe, wie sich das Feuer auf der von der Straße aus gesehen linken Seite weiter über eine wenig bewaldete Stelle zum Stuttgarter Weg hin entwickelt. Auf der anderen Seite des Wegs stehen Häuser. Meine Sorge ist riesig. Ich kenne mich nicht aus mit Feuer, wie das springt, ob man es steuern kann – ich vertraue den Fachleuten.
Aber was ich sehe, ist die totale Macht.

Meinen ganzen Respekt für die Menschen, die sich dieser Macht entgegenstellen.
Wie alle bin ich unendlich erleichtert und dankbar. Im Nachhinein habe ich überlegt, was mich so beklommen gemacht hat und so aufgewühlt. Es war nicht die Angst um mein bisschen Hab und Gut. Bis zum Rathaus wäre das Feuer eh nicht gekommen, hab ich mir jedenfalls gedacht. Nein, es war das Bild der Zerstörung. Die Gefahr weiterer Zerstörung. Die Stimmung in der Stadt. Der absolute Einsatz der Blaulicht-Kräfte. Ich bin das nicht gewöhnt, solch einen Ernstfall unmittelbar zu erleben. Will ich auch nicht gewöhnt werden, ehrlich gesagt.
Fotos: Elisabeth
Bisschen Warm-ums-Herz-Heimatliebe?

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