Wir alle haben Macken, kleine, mittlere, größere, und Vollmeisen. Nicht schlimm, vielleicht schräg. Wie, zum Beispiel, beim Treppensteigen mental „Im Frühtau zu Berge“ zu singen, im Rhythmus der Stufen. Oder beim Kuchen zuerst den Teigrand zu essen, damit das Beste für den Schluss bleibt. Oder beim Autofahren alleine laut mit sich selbst zu diskutieren. Eine meiner Macken ist Colorado. Denn Süßigkeiten mag ich nicht.
Schokolade verklebt einem den Mund. Wenn sie mit Krokant, Nougat oder gar – ganz schlimm: Karamel verfeinert ist, fühlt sich der ganze Mundraum an wie mit knirschendem Zucker-Estrich ausgestrichen. Alles was kracht, also Kekse, Riegel, knusprige Umhüllungen, macht in meinem Gehirn das Geräusch, als ob ich Sand ins Leberwurstbrot bekommen hätte. Eis? Nö. Na, falsch: Rino-Eis ist super! Davon esse ich oft einmal im Jahr eines. Fakt: Die ganzen langen Zucker-Regale in den Supermärkten interessieren mich nicht, ebensowenig die würzige Seite des Süßkrams, also Chips oder Würmle (oder wie das heißt).
Manchmal aber überkommt mich die Gier nach süß.
Es ist schwierig dann. Ich habe mich schon mit Pralinen beholfen, die noch bei mir lagen (geschenkt) – ja, geschenkt. Sofort Zähneputzen, das Geklebe im Mund ist ja nicht zum Aushalten!

Das einzige, was mir bei solch einer snack attack freundlich, fröhlich und sehr zufriedenstellend hilft ist: Colorado. Das ist der eine Griff ins Regal, den ich mache, selten, und dann die XXL-Tüte, denn mit Homöopathie kommt man hier nicht weiter. In dieser schweren Tüte verstecken sich die zwei Formen von süß, die ich toleriere: die Beerle (Him- und Brom-) und Gummibärle. Die stehen in der Colorado-Hierarchie ganz oben. Mit einigem Vergnügen essbar finde ich auch die kleinen Vampire. Dann aber ist bei mir schon fast Ende. Die Frösche mit den Schaumfüßen, die Lakritzvarianten … nö. Die Tüte mit der Restsüße landet, weil man ja nix wegwirft, zusammengeknüllt irgendwo im Küchenschrank hinter der Packung Mehl, die seit drei Jahren drauf wartet, dass ich Pfannkuchen backen will. Bei der nächsten Attacke, Wochen später, erinnere ich mich vielleicht an die Tüte hinter dem Mehl und knabbere mit einigen Grimassen aus der Not heraus doch am Lakritz. Es genügen zwei gegen den Zuckerwahn.
Ich frage mich, weshalb ich nicht gleich eine Tüte Himbeerle, eine Tüte Brombeerle und ein Kilo Gummibärle kaufe. Ich erschließe mich mir nicht ganz, aber es hat was mit Überraschung, Entdeckerfreude und Vermeidung von Vorhersehbarkeit zu tun – es wäre einfach nur langweilig. Irgendwann in der langen Zeit, in der Thomas Gottschalk noch Markenbotschafter für Haribo war – also, das hat jetzt keinen ursächlichen Zusammenhang 😃 – da gab es ein Phase, in der wenige bis null Himbeerle in den Packungen waren.
Also schrieb ich ein Brief an Haribo:
„Sehr geehrter Herr Gottschalk, ich vermute, da ist ein Himbeerle-Dieb am Werk, im Werk. Prüfen Sie das unbedingt.“
Ich fand das eine wahnsinnslustige Idee von mir, hatte viel Spaß und wartete auf eine humorvolle Antwort. Man schrieb mir, das sei „produktionsbedingt“. Ah ja. Ich dachte mir so, Gummibärle können sie in Bonn. Aber Humor nicht. Und die in Bonn langten sich gewiss ans Hirn: „… oh Gott, so eine zurückgebliebene Schwarzwälderin glaubt im Ernst, der Gottschalk arbeitet bei uns“.
Nun gut, ich habe ihnen verziehen, und mag an dieser Stelle noch betonen: Weder damals noch heute habe ich eine Tüte geschenkt bekommen, ich mache hier keine Werbung, ich habe einfach Spaß am Mackenbeschreiben.
Und übrigens: Mein Newsletter ist am Start. https://echt-jetzt-elisabeth.de/newsletter-anmeldung/ Tragt Euch gerne ein, ich würd mich riesig freuen.

Fotos: Elisabeth

Schreibe einen Kommentar