Puh, „Heimat“. Dieses arme Wort. Muss für so vieles herhalten, von der Werbung bis zu manch kulturellem Ignorantenstadl, und je nachdem, in welchem Kontext und mit welcher Schriftart es hergenommen wird, löst es Wohlgefühl, Abneigung oder Zäune im Kopf aus. Ein Wort mit einem riesen Rucksack, aber ’schmirwurscht: Ich bin heimatverliebt. In den Schwarzwald. Das Jahr 2026 hat mich noch mehr als früher auf dieses Gefühl druff nuff glupft und einige Seins-Zustände ausgelöst:
Daheimsein

Harald Bargenda hielt einen wunderbaren Vortrag, einen akribisch recherchierten historischen Rückblick über das Tal, in dem ich aufgewachsen bin. Viele Kirnbacherinnen und Kirnbacher waren gekommen, meine liebe Freundin Stine, mit der ich die Kindheit im Kirnbach verbracht habe, saß neben mir. Wenn Harald Bargenda Menschen auf alten Fotos nicht einzuordnen wusste, dann konnte jemand aus dem Publikum helfen. Wie ich: Auf einem Bild mit Soldaten erkannte ich meinen Opa. Er trug Uniform. Zwischen damals und irgendwann
Unterwegssein

… à propos Rucksack – der berühmte Westweg von Pforzheim nach Basel, Schwarzwaldheimat pur, der älteste Fernwanderweg Deutschlands, macht seit 126 Jahren Freude im Herzen und Schmerzen an den Füßen. Meine Freundin Carmen und ich sind im Juli von Hausach nach Lörrach gewandert, in sechs Tagen 165 Kilometer inklusive ab-wegiger Besichtigungen und Verirrungen. Weshalb man nach 28 Wanderkilometern nicht mehr labern will, sondern nur noch ein saukaltes Weizen: Der andere Wanderbericht
Bewusstsein

Wie lebten eigentlich früher die Schwarzwälderinnen und Wälder? Sagenwirmalso: Die meisten Frauen wurden nicht alt, vierzig vielleicht. Sie liefen nicht den ganzen Tag mit Bollenhut rum und pflanzten Geranien vor das Fenster des hübschen Hofes. Sie bekamen viele Kinder, leisteten schwere Arbeit, und standen etliche Stunden täglich mit dem Kopf im Rauch in der Rußküche. (Im alten Hof neben meinem Elternhaus wohnten Verwandte; Speck und Würste hingen im Gewölm über dem gemauerten Herd in der Küche, die so schwarz war und nach Ruß stank, dass wir als Kinder dort nicht hineingehen wollten.) Wo man heute noch reinschnüffeln kann und sich schaudernd freut, dass daheim der Induktionsherd steht? Meine Gedanken als Weichei: The not-so-kuschelige Black Forest in former times
Betroffensein

À propos Rauch – ich wohne nahe der Feuerwehr, und als eines Sonntagnachmittags im August dieses Jahr die Martinshörner losgingen und nicht leiser sondern mehr wurden, da krabbelte ich hitzelahm vom Sofa, schaute aus dem Fenster und wurde vom Schock getroffen. Dichter Rauch zog über die Hangkante des Schlossbergs vom Lauterbachtal her. Dann ein Schreck nach dem anderen, auf der steilen Talseite oberhalb der Geißhalde stand der Wald in Flammen, Tannen rauschten wie Fackeln auf. Ja, auch wenn manche lachen: „Es ist anders, wenn es direkt vor der Haustür passiert.“

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